Geschichte des Humanismus

Der Huma­nis­mus der Renais­sance war eine breite Bil­dungs­be­we­gung, die auf antike oder als antik ange­se­hene Vor­stel­lun­gen zurück­griff. Die Renais­sance-Huma­nis­ten erhoff­ten sich eine opti­male Ent­fal­tung der mensch­li­chen Fähig­kei­ten durch die Ver­bin­dung von Wis­sen und Tugend. Huma­nis­ti­sche Bil­dung sollte den Men­schen befä­hi­gen, seine wahre Bestim­mung zu erken­nen und durch Nach­ah­mung klas­si­scher Vor­bil­der ein idea­les Men­schen­tum zu ver­wirk­li­chen und eine ent­spre­chende Gesell­schafts­form zu gestal­ten. Der huma­nis­ti­sche Lebens­ent­wurf, der an das antike römi­sche Kon­zept der huma­ni­tas anknüpfte, trat als Alter­na­tive neben das tra­di­tio­nelle, aus dem Mit­tel­al­ter über­kom­mene Men­schen­bild, das stark auf Gott und das Jen­seits aus­ge­rich­tet war. Scharf grenz­ten sich die Renais­sance-Huma­nis­ten vom spät­mit­tel­al­ter­li­chen scho­las­ti­schen Gelehr­ten­tum ab.

Die auf antike Schrif­ten und Kunst­werke als klas­si­sche Bil­dungs­gü­ter fokus­sierte huma­nis­ti­sche Bewe­gung ver­brei­tete sich im 15. und 16. Jahr­hun­dert von Ita­lien aus in Europa, ver­lor aber im Lauf des 16. Jahr­hun­derts an Schwung­kraft. Sie beein­flusste alle euro­pä­isch gepräg­ten Teile der Welt. Einen neuen Impuls erhielt sie im 18. und 19. Jahr­hun­dert durch den in Deutsch­land flo­rie­ren­den Neu­hu­ma­nis­mus, der sich in ers­ter Linie an der grie­chi­schen Antike ori­en­tierte und im deutsch­spra­chi­gen Raum das höhere Bil­dungs­we­sen prägte. Eine Begleit­erschei­nung war der Grie­chen­en­thu­si­as­mus, der sich im Phil­hel­le­nis­mus auch poli­tisch aus­wirkte.

Kri­tik an der als ein­sei­tig emp­fun­de­nen Aus­rich­tung des Neu­hu­ma­nis­mus auf die Antike und das „klas­si­sche“ Grie­chen­tum kam von ver­schie­de­nen Sei­ten. Im eng­li­schen Sprach­raum wurde die deut­sche Grie­chen­be­geis­te­rung teils als „Tyran­nei Grie­chen­lands über Deutsch­land“ wahr­ge­nom­men. Ver­fech­ter einer gleich­be­rech­tig­ten neu­sprach­li­chen Bil­dung wie Fried­rich Paul­sen wand­ten sich gegen das Über­ge­wicht des alt­sprach­li­chen Unter­richts im huma­nis­ti­schen Gym­na­sium, der dar­auf­hin schritt­weise zurück­ge­drängt wurde.

Neu­ar­tige Aus­prä­gun­gen hat der Huma­nis­mus­be­griff in der exis­ten­tia­lis­ti­schen Phi­lo­so­phie sowie in Mar­xis­mus und Real­so­zia­lis­mus erfah­ren, wobei es von völ­lig neuen Ansät­zen aus zu schar­fer Abgren­zung vom „klas­si­schen“ Huma­nis­mus kam. Als ver­bin­den­des Ele­ment alter und neuer Ansätze kann der Anthro­po­zen­tris­mus gel­ten, die Kon­zen­tra­tion des Inter­es­ses und der Bemü­hun­gen auf den Men­schen und seine Ein­zig­ar­tig­keit, im Gegen­satz etwa zu Welt­an­schau­un­gen, die Gott oder das Natur­ganze in den Mit­tel­punkt stel­len oder die mensch­li­che Lebens­form nur als eine unter vie­len auf­fas­sen.

Quelle: Wiki­pe­dia